Status quo

Das Bildungswesen der BRD ist historisch gewachsen und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten strukturell lediglich temporär verändert. Die Bildungspolitik ist Hoheitsgebiet der einzelnen Bundesländer. Daraus folgt eine entsprechende Divergenz zwischen den einzelnen Bundesländern in Struktur und Zielen. Zudem agieren die einzelnen Schulen in vielen Aspekten sehr autonom.

Die bundesweite Schulpflicht gibt vor, dass Kinder im Alter von 6 Jahren eingeschult werden. In den ersten 4 Jahren werden die Schüler gemeinsam in der Grundschule unterrichtet, danach teilt das mehrgliedrige Schulsystem in verschiedene weiterführende Schulen auf. Diese sind traditionell Gymnasien, Hauptschulen und Realschulen. Hinzukommen Gesamtschulen, Sekundarschulen, sowie verschiedenste Privat- schulen und alternative Schulformen.

Bedingt durch die einheitliche Schulpflicht werden Schüler nahezu immer in Jahrgangsklassen organisiert. Dies führt dazu, dass die Schüler in am Lebensalter orientierten Monostrukturen lernen.

Heutzutage empfehlen verschiedene Bildungsforscher im Gegensatz dazu, Einschulungstermin und Klassenzusammensetzungen weniger am Lebensalter zu orientieren, als am Entwicklungsstand der Kinder.

Eine der wichtigsten und am meisten diskutierten Aspekte im Bildungsdiskurs sind Klassen- oder Kursgrößen. Wie viel Zeit hat ein Lehrer um sich seinen Schülerinnen und Schülern widmen zu können, wenn angenommen werden muss, dass gewöhnlich 30 Schüler eine Klasse bilden und eine Schulstunde 45 Minuten andauert?

Rein rechnerisch gesehen stehen einem Lehrer im besten Fall ca. 1,5 Minuten pro Schüler zur Verfügung. Dies würde aber nur dann gelten, wenn dieser keiner weiteren Aufgabe in dieser Zeit nachgehen müsste. Doch Lehrer zu sein ist immer eine Mehrfachaufgabe. Neben der Wissensvermittlung muss die Anwesenheit geprüft, für Disziplin in der Klasse gesorgt, Hausaufgaben kontrolliert und, neben vielen weiteren Herausforderungen, bei Problemen unter den Schülern vermittelt werden.