Die Schwächen

Ein Schüler, der mit ca. 25-30 Mitschülern gleichzeitig unterrichtet wird, kann kaum in seinem individuellen Lerntempo berücksichtigt werden. Einerseits verläuft der Unterricht zu schnell, für eine andere Gruppe wiederum jedoch zu langsam. Auch individuelles Vorwissen kann nicht berücksichtigt werden. Individuellen Wünschen, Themen auszubauen oder weniger zu behandeln, kann nicht entsprochen werden. Der Stundenplan schreibt vor, wann der Lernende für ein bestimmtes Thema Interesse haben muss. Die Zeit um durch Nachfrage Unterstützung vom Lehrer zu erfahren ist knapp und immer zeitlich begrenzt. So auch die Nachfrage beim eigenen Tischnachbarn, die vom Lehrer häufig unterbunden wird.

Anstatt die Potentiale des einzelnen Schülers zu nutzen und ihn sich entfalten zu lassen, werden ihm fremdbestimme Inhalte diktiert. Dieser Zwang verursacht nur selten ein großes Interesse für den Lernstoff und verhindert dadurch ein permanentes Behalten des Gelernten. Kreativität lässt sich also nicht schulen, aber durch Freiheit entfalten. G8 hat Schülern währenddessen einen erheblichen Nachteil eingebracht: weniger Freizeit und einen volleren Terminkalender als so manch Berufstätiger.

Betrachtet man den Unterricht aus der Perspektive eines Lehrers, so beginnt die Arbeit schon weit vor der Unterrichtsstunde. Der Aufwand für die Vorbereitung ist enorm. Themen richten sich nach Lehrplänen. Das Thema der nächsten Stunde muss didaktisch erschlossen und geplant werden. Materialien und Quellen müssen gesichtet und ausgewählt, Arbeitsblätter erstellt und vervielfältigt werden. Zusätzlich bedürfen Themen zur Umsetzung zwischen den einzelnen Klassen eines Jahrgangs Koordination.

Die Nachbereitung der Stunde nimmt häufig im Gesamtarbeitsvolumen den größten Teil ein. Tests, Klassenarbeiten und Klausuren werden einzeln gesichtet, korrigiert und benotet. Selbiges gilt unregelmäßig für Arbeitsmappen und Hefte. Dabei werden Fehler und Arbeitsverhalten der Schüler analysiert und Rückmeldungen sowie Hilfestellung erarbeitet.